Etwas mehr Unangepasstheit, bitte!

 

Wenn wir feinfühliger werden und sich unsere Wahrnehmung vertieft, dann wird ein Leben in festen, fremdbestimmten Strukturen anstrengender, erscheint uns in seinen komplexen, auf Effizienz getrimmten Anforderungen manchmal auch kaum noch möglich.  Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir uns irgendwie durchquälen. Das Gefühl haben, nicht mehr bei uns zu sein. Nur noch genügen müssen… und einen wichtigen Teil von uns schlichtweg nicht zum Ausdruck bringen können und dabei emotional dehydrieren.

 

Deshalb fällt es uns oftmals wohl auch so schwer, gelassen zu bleiben – weil wir eben so selten gelassen werden, wie wir sind, und stattdessen nur in Teilen „gefragt“ sind. Mit anderen Worten: Wenn die "besten Köpfe" gesucht sind, was genau macht dann eigentlich der Rest - Körper, Geist und Seele? 

 

Auch gibt es immer mehr Menschen, die tiefer liegende Zusammenhänge und wirkende Kräfte wahrnehmen können, die anderen (noch) verborgen bleiben. So öffnen wir uns derzeit verstärkt für Seelisches und Geistiges – ein „Vorgang“, der gerade bei Kindern und Jugendlichen häufig wie nebenbei geschieht. Dieses Erleben ist weder plan- noch steuerbar, es ist in meinen Augen ein Geschenk (auch an unsere Zeit),  für manchen womöglich aber auch nicht nur ein Segen. Diese neue Sensibilität zeichnet sich ab, eine neue Spiritualität sucht Einlass ins unser Leben.

 

Mehr denn je brauchen Kinder und Jugendliche daher verstehende Begleiter an ihrer Seite, die dieser Individualität Raum zu geben vermögen und sie anerkennen können.

 

Auch wir Erwachsenen tun gut daran, unsere Weltsicht nicht nur auf das vor uns Liegende zu beschränken, sondern einer

umfassenden Wahrnehmung und der in ihr liegenden Wahrheit wieder mehr Raum zu geben. Es ist gut, wenn wir damit bei uns beginnen. Wenn wir der Wahrheit in uns Raum geben, beginnen wir zu spüren, dass das Sehnen nach Freiheit in uns angelegt ist – seit jeher. Wenn wir unser Selbst wahrnehmen und uns erlauben, ein Leben „abseits“ des Eingeübten, Auferlegten und manchmal auch Ererbten zu leben, beginnt ein neuer Weg. Schritt für Schritt.

 

„Wie will ich wirklich leben“ ist daher eine der kraftvollsten Fragen, die ich kenne. Sie ist ein guter Schlüssel zur

Selbstbetrachtung und -erkenntnis. Sie ermöglicht auch, auf Blockaden, unbewusste Programme und limitierende Glaubenssätze zu blicken. Wenn wir mit ihnen aufräumen, uns von ihnen trennen können, dann haben wir plötzlich wieder

mehr Platz. Wenn wir neue, bestärkende Überzeugungen setzen und den Mut zu etwas mehr „Unangepasstheit“ haben, stellen wir höchstwahrscheinlich schnell fest, wie gut uns diese zu Gesicht steht. Und wir können erleben, dass

wir der Freiheit oftmals näher sind, als wir im ersten Augenblick geglaubt haben.

 

Es entsteht viel Raum für Neues, im Kopf und in unserer Realität, wenn wir unseren Fokus verändern und unserer Ausrichtung konzentriert folgen. Vor allem ein neues Gefühl der Leichtigkeit. Und die Gewissheit, dass Wahr-Nehmung vor allem eines von uns möchte: dass wir sie als wahr erachten! Und uns gleich dazu. So entsteht eine innere Kraft, die uns nach und nach sicherer macht, unserem inneren Wunsch nach mehr Spiel-Raum und neuen Möglichkeiten folgen. Vor allem jenen, die abseits der ausgetretenen Pfade liegen.