Unsicherheit aushalten, Traurigkeit annehmen können

Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich. Innerhalb weniger Wochen ist so viel vermeintlich Sicheres, Verlässliches außer Kraft gesetzt, zumindest "on hold"  - und wenn wir genauer hinsehen, wissen wir: Die Welt wird eine andere sein, in einigen Wochen, Monaten.

 

Was wir noch nicht wissen, ist wie sie denn genau aussehen wird und was das im Einzelnen für uns bedeutet. Alle Lebensfelder werden davon berührt sein, weil wir schon jetzt unglaublich viel lernen: Schulen suchen neue Wege, Unternehmen organisieren sich agil,... unser soziales Miteinander fordert unserer Kreativität. Wie bleiben wir uns nah, in der Distanz? Und ja, wir verlieren einiges, was uns ans Herz gewachsen ist, müssen uns von Gewohntem verabschieden. 

 

Rückbesinnung auf unsere eigene Kraft

In all dem, was gerade im Außen passiert, liegt für mich auch die Aufforderung, uns uns auf uns selbst zu besinnen. In die Stille, zu uns gehen. Was das genau heißt:  Wir können uns fragen, wonach uns gerade wirklich der Sinn steht. Das, was gerade geschieht, ist so groß und so umfassend, dass wir sicher unseren Teil beitragen, unterstützen, ein Beitrag sein können - täglich werden neue Initiativen gestartet und neue Verbindungen geschaffen. Das finde ich beeindruckend und großartig.

 

Wichtig finde ich aber auch, dass wir uns Unsicherheit und Trauer erlauben können. Denn: Keiner von uns weiß, wie es "danach" weitergeht, so detailliert und komplex können wir gar nicht denken. Doch wir können Vertrauen haben, dass es weitergeht, dass wir mit den Herausforderungen, die uns begegnen, werden umgehen können. Und wir dürfen auch dieses subtile Gefühl der Trauer zulassen, dass sich in die Pausen zwischen den Conference Calls, Videomeetings, dem Homecooking und -schooling einschleicht. Das Gefühl, das auch da sein, gesehen werden möchte. Wir können gar nicht anders, als betroffen sein.

 

Uns im Vertrauen üben

Die Welt steckt in einer solch großen Veränderung, dass wir uns eben auch verabschieden dürfen. Das mag leicht gesagt klingen, ist es aber nicht. Ich sage es, weil es persönlich auch erlebe, ich stecke selbst mittendrin: Ich gehe seit Tagen durch ein Auf und Ab... Da ist das tiefe Vertrauen in den großen Zusammenhang, der in seiner Dimension kaum rational begriffen werden kann. Da ist Trauer, weil ich sehe, was gehen darf. Ich bin wiederum gelassen, weil ich spüren kann, wie die Natur aufatmet und vieles in einen gesünderen Rhythmus kommt. Und dann sehe ich natürlich, wo Menschen an die Grenzen der Belastbarkeit und weit darüber hinaus gehen und hoffe, dass auch sie die Unterstützung bekommen, die sie jetzt und auch in der kommenden Zeit benötigen. All das ist fordernd, und es ist vor allem gleichzeitig da. Es berührt uns und fordert uns auf.  Und es darf sein.

 

Wir können diese Zeit auch ganz bewusst  nutzen, um neue Klarheit zu gewinnen. Umso besser werden wir in den kommenden Wochen und Monaten mitgestalten können. 

 

Wir können

...mit Dingen und Themen aus der Vergangenheit, die unserer Ansicht nach noch nicht vollständig abgeschlossen sind, abschließen. 

...uns bewusst machen, was uns bislang fehlt, um bestimmte Wünsche zu realisieren. 

...vermeintliche Hindernisse aufspüren. 

...uns bewusst machen, was wir selbst tun müssen, um diesen Wunsch zu verwirklichen, dieses Ziel zu erreichen. 

...herausfinden, was wir dafür aufgeben, sein lassen dürfen. 

 

Begleitet von den richtigen Fragen, kann diese Zeit des Rückzugs das Selbst-Bewusstsein schärfen, neue Ideen und Möglichkeiten eröffnen. Wir richten dabei den Blick auf die Wahrheit in unserem Herzen. Dabei kommen wir - ebenso wie in der Natur! - zur Ruhe, zurück ins Vertrauen und können die größeren Fragen abgeben. Lassen wir also zu, dass wir nicht alles wissen müssen und sorgen wir gut für uns, in diesen Tagen!